Denkmäler der Tonkunst in Österreich
Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmälern der Tonkunst in Österreich

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HELENE WESSELY
29. 7. 1924 – 12. 5. 2011

Dr. Helene Wessely geb. Kropik, die Gattin des verstorbenen Leiters der Publikationen der Denkmäler Othmar Wessely, war seit 1977 wirkendes Mitglied unserer Gesellschaft. Sie hat an deren Arbeit durch die Herausgabe dreier Denkmäler- Bände, 128 und 130 (1979 bzw. 1980) mit den Encaenia musices des Lambacher Stiftsmusikers Romanus Weichlein und 135 (1983) mit 3-5stimmigen Sonaten des in Tirol wirkenden Engländers William Young (außerdem schon 1956 mit dem Revisionsbericht zu Band 92, Heinrich Bibers Harmonia artificiosa-ariosa) und einem Beitrag zu den Studien zur Musikwissenschaft 24 (1960) Mitteilungen aus dem Archiv der Arciconfraternità di San Giovanni dei Fiorentini detto della Pietà in Rom aktiv mitgewirkt. Weitere Arbeiten, die von ihr zweifellos zu erwarten gewesen wären, hat ihre verhängnisvolle Krankheit, die sie an den Rollstuhl fesselte, verhindert, für unsere Disziplin ein umso größerer Verlust, als Ihre Leistungen bis dahin, namentlich die Biographie des römischen Barockkomponisten und Virtuosen Lelio Colista, zu höchstgespannten Erwartungen berechtigten. Einige spätere Arbeiten (wie die erwähnten Denkmäler-Ausgaben) wurden wesentlich durch die Unterstützung Othmar Wesselys ermöglicht. Die von beiden angesammelten reichen Materialien wurden von Ihnen, wie einer Äußerung Wesselys entnommen werden kann, als "Ihre", also gemeinsame und sicherlich auch mitsammen erarbeitete, betrachtet. Daß Helene Wessely an der 2002 erschienenen Neuauflage des 1961 erschienenen Standardwerkes in italienischer Sprache mit aller ihr zu Gebote stehenden Intensität mitarbeitete, zeigt ihr ungebrochenes Interesse und ihren Arbeitswillen ebenso wie manche Pläne, die sie im persönlichen Gespräch erwähnte.

KARL SCHNÜRL
19. 11. 1924 – 3. 6. 2011

Karl Schnürl war es, der 1966 den Schicksalsband 84 der Denkmäler zur Verwirklichung brachte. Ein solcher Band war zwar 1942 als Band 2/1 des Erbe deutscher Musik, Alpen- und Donau-Reichsgaue (wozu die österreichischen Denkmäler umgezwungen worden waren) herausgekommen, konnte aber nicht als gültiger Band der österreichischen Denkmäler gelten. Der Ersatz durch einen neuen Band stieß zunächst auf Schwierigkeiten, die endlich durch Schnürls Ausgabe beseitigt wurden. Schnürl hat verschiedene Beiträge zu den Studien zur Musikwissenschaft geliefert, Die Variationstechnik in den Choral-Cantus firmus-Werken von Palestrina (23/1966), Haydns "Schöpfung" als Messe (25/1962) und Formen des Violinschlüssels in den Musikdrucken des 16. - 18. Jahrhunderts (42/1993). Seine Interessen waren weitgespannt, sein Wissen reich und vielfältig, in den letzten Jahren hat er sich unter anderem mit dem Problem der Paranotation, das heißt der Verwendung musikalischer Zeichen für außermusikalische Phänomene, beschäftigt. Die Wissenschaft war aber nur eines von seinen Tätigkeitsfeldern. Herausragend ist vor allem sein Wirken als Musikpädagoge, unter anderem hat er durch 74 Semester am Wiener Institut für Musikwissenschaft angehenden Musikwissenschaftlern das notationskundliche Rüstzeug vermittelt. An der jetzigen Universität für Musik und darstellende Kunst hat er Musikpsychologie unterrichtet. Vor allem aber hat er als Professor am Musikgymnasium in der Neustiftgasse in zahlreichen jungen Menschen prägende Eindrücke und Kenntnisse vermittelt, die, wie man in Gesprächen mit seinen Schülern immer wieder hören kann, in diesen einen bleibenden Eindruck hervorgerufen haben. Selbst von seinem Gegenstand begeistert, wußte er diese Begeisterung auch in seinen Hörern wachzurufen und Ihnen Interesse und Liebe zur Sache nahezubringen. Dahinter stand eine menschliche Persönlichkeit, deren Größe auch seine Bescheidenheit nicht verdecken konnte.

Unsere Gesellschaft wird das Andenken beider Verstorbener bewahren und versuchen, dem Wirken beider in ausführlicheren Darstellungen so gerecht als möglich zu werden.

letzte Änderung: 13.06.2011     •     Text: Theophil Antonicek     •     Webeinrichtung: Konrad Antonicek