Denkmäler der Tonkunst in Österreich
Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmälern der Tonkunst in Österreich

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Franz Xaver Süßmayr, Missa solemnis in D

Denkmäler der Tonkunst in Österreich
bearbeitet von Walter Wlcek und Erich Duda

Franz Xaver Süßmayr (1766-1803) ist heute in erster Linie als Schüler Mozarts und Vollender von dessen Requiem bekannt; Mozart hat ihn außerdem als Mitarbeiter an der Clemenza di Tito (1791) herangezogen, deren Recitative Süßmayr schrieb. Von Süßmayrs eigenen Kompositionen ist in der Literatur das Singspiel Der Spiegel von Arkadien (1794) als eines der Erfolgswerke der Gattung bekannt. Weitere Werke wurden erst wieder 2003 aus Anlaß des zweihundertsten Todestages des Komponisten – durchwegs mit Erfolg – aufgeführt; das spektakulärste Ereignis war die Aufführung der vorliegenden Messe in D-Dur mit Claudio Abbado und den Wiener Philharmonikern.

Süßmayr stammte aus Schwanenstadt in Oberösterreich, wo er als Sohn eines Lehrers geboren wurde, der traditionsgemäß zugleich die Funktionen des Mesners und Regens chori ausübte und dem Sohn den ersten Unterricht erteilte. Seine Schulbildung erhielt er am Stiftsgymnasium und anschließend an der Ritterakademie in Kremsmünster. 1788 ging er nach Wien, wo er Schüler und eine Art Faktotum Mozarts wurde. 1794 wurde er Kapellmeister am k.k. Nationaltheater. Von seinem Schaffen weist das Werkverzeichnis von Erich Duda (Das musikalische Schaffen Franz Xaver Süßmayrs. Thematisches Werkverzeichnis (SmWV) mit ausführlichen Quellenangaben und Skizzen der Wasserzeichen. Kassel etc. 2000, Schriftenreihe der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg Bd. 12) 4 Messen, 2 deutsche Requiem, 55 kleinere Kirchenwerke, 26 Opern, Singspiele und Operetten, 5 Ballette, 14 Opernteile, 14 Operneinlagen, 16 Kantaten, 8 mehrstimmige Gesänge und Kanons, 22 Lieder, 7 Sinfonien, 30 Tänze und Märsche, 6 Konzerte und Konzertteile, 13 Werke für Kammermusik, 2 Klavierwerke nebst Bearbeitungen und unsicher zuschreibbaren Werken auf.

Die Schülerschaft bei Mozart hat zweifellos im Schaffen Süßmayrs Spuren hinterlassen, doch hat der Herausgeber des vorliegenden Bandes Walter Wlcek schon in seiner Dissertation darauf verwiesen, daß sich Eigenheiten, die bereits in den Kremsmünsterer Frühwerken auftreten, sich konstant im Schaffen Süßmayrs halten, das heißt, daß Einflüsse Mozarts zwar vorhanden sind, Süßmayr aber, wie sich vor allem auch an der D-Dur-Messe zeigt, als durchaus eigengeprägter Komponist angesprochen werden muß. Interessant ist im Gegensatz dazu ein Phänomen, auf das Erich Duda hingewiesen hat: Süßmayr, von Constanze Mozart veranlaßt, die von ihm vollendete Partitur des Requiem von Mozart möglichst ähnlich dessen Handschrift niederzuschreiben, ist dies nicht nur tatsächlich beim Requiem in einer Weise gelungen, daß erst die spätere Forschung seine von Mozarts Schrift trennen konnte, sondern er hat diese erworbene Handschrift dann für den Rest seines Lebens beibehalten. Das hat im übrigen in der Forschung, der vor allem die späteren Werke bekannt waren, zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Handschriften von Süßmayrs früheren Werken geführt; erst durch Duda konnten bisher anonym geführte Niederschriften von Kompositionen Süßmayrs als dessen Autographe identifiziert werden.

Die Quellenlage des Werkes ist leider verhältnismäßig ungünstig. Der Ausgabe wurde als Hauptquelle ein Druck zugrundegelegt, der nach dem Tode Süßmayrs bei der Chemischen Druckerei in Wien erschien. Er weist in doch erheblicher Menge Fehler (etwa parallele Quinten) auf, was erstaunlicherweise auch in der handschriftlichen Überlieferung der Fall ist und vermuten läßt, daß diese stark vom Druck abhängig ist. Eine Quelle für das gesamte Werk aus den Lebzeiten des Komponisten existiert nicht, die handschriftlichen Kopien stammen alle aus der Zeit nach dem Erscheinen des Druckes. Erich Duda weist 17 von ihm eingesehene Handschriften nach, dazu weitere sechs in tschechischen Bibliotheken, die er nicht heranziehen konnte.

Die einzige zweifelsfrei als authentisch zu bezeichnende Quelle ist ein autographer Bläsersatz, der mit dem des Druckes aber nicht übereinstimmt. Wlcek vermutet, daß er für eine bestimmte Aufführung für die dort zur Verfügung stehende Besetzung erstellt wurde. Die Tatsache, daß sich auch hier Fehler finden, läßt eine Niederschrift in Eile vermuten. Der Bläsersatz wurde im Hinblick auf die autographe Quelle als alternative Möglichkeit im Anhang der Edition veröffentlicht.

Süßmayrs Messe in D-Dur Messe gehörte bis weit ins 19. Jahrhundert zumindest in Wien zu den meistaufgeführten Messen. Statistiken wie die von St. Stephan oder St. Karl Borromäus belegen die Häufigkeit der Aufführungen. Die Messe ist damit wohl jenes Werk von Süßmayr, das während und nach seiner Zeit die meisten Aufführungen erlebte, der Komponist blieb damit zumindest im Bereich der Kirchenmusik bis etwa 1870 im Gedächtnis und mit Aufführungen präsent. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einzelnen Aufführungen, so mehrfach unter Alois Strassl in der Kirche in Mauer und durch Ernst Hinreiner in Salzburg. Der Plan zur Edition des Werkes wurde daher schon vor längerer Zeit durch den damaligen Leiter der Publikationen der Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmälern der Tonkunst in Österreich, Othmar Wessely, initiiert. Die schwierige Quellenlage und verschiedene andere Umstände haben den Plan verzögert. Es ist jetzt zu hoffen, daß dieses wichtige Werk der österreichischen Kirchenmusik wieder Eingang in das musikalische Repertoire findet.

letzte Änderung: 26.01.2008     •     Text: Theophil Antonicek     •     Webeinrichtung: Konrad Antonicek